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proGusto 01-2017

Kolumne Auf eine Tasse DAS GROSSE CHAOS „MAMA, TRÄUM’ WEITER.“ 37 von Yvonne Meininger Es gibt gefühlt Tausend Kolumnen über pubertierende Jugendliche. Ich weiß auch warum: Es ist ein Therapieversuch für alle geplagten Eltern. Sie müssen sich diesen Frust von der Seele schreiben in der Hoffnung, dass sie sich danach besser fühlen. Außerdem gilt auch hier die Devise ‚Geteiltes Leid ist halbes Leid’ und die Erfahrung, dass man mit diesen Problemen nicht alleine ist. Deshalb hier nun auch meine Eigentherapie in Form dieser Kolumne. Danke im Voraus, dass Sie mir zuhören. Ich hoffe, es hilft! GESCHLECHTERKLISCHEES Das Problemfeld: Aufräumen! Für manche Teenager ist diese Tätigkeit nicht nur völlig überbewertet, sondern auch völlig überflüssig. Wer braucht schon Ordnung in seinem Leben? Die 13-jährige Mitbewohnerin unseres Hauses auf jeden Fall nicht. Um die Persönlichkeitsrechte einigermaßen zu wahren, erspare ich Ihnen die Details, wie das Zimmer der Hauptprotagonistin aussieht. Denken Sie einfach an das schlimmste Chaos, das Sie sich vorstellen können. Dann sind Sie ziemlich nah dran. Als Erziehungsberechtigte habe ich alles – wirklich alles – versucht, um das Kind zum Aufräumen zu bewegen. Ich habe komplett versagt. Zu Beginn unseres Elterndaseins hätte ich nie gedacht, dass es etwas gibt, das man erziehungstechnisch nicht schaffen kann. Ich wurde eines Besseren belehrt. Beim Thema ‚Zimmer aufräumen’ sind wir kläglich gescheitert. Der einzige Trost: Unser anderes Kind (ein Junge!!!) hat damit überhaupt kein Problem. Sein Zimmer ist immer tiptop aufgeräumt. So viel zu den Geschlechterklischees. Natürlich frage ich mich, von wem das Kind diesen Hang zum kreativen Chaos hat. Ein paar nahe Verwandte mit ihren Genen fallen mir da schon ein. Kann mich ein Blick in die Zukunft trösten? Nicht wirklich: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr oder in der ‚Mama-chill-dochmal’ Sprache der Teenager gesprochen: Ich mach’ mein Ding! Was so viel bedeutet wie: Einmal Chaos – immer Chaos! Wenn ich also eine Fee treffen würde und drei Wünsche frei hätte, würden sie wie folgt lauten: 1. Weltfrieden 2. Gesundheit & Wohlstand für alle 3. Einen Funken schwäbische Hausfrau für das reizende, lustige, schlaue und herzallerliebste Kind, das sein Chaos-Unwesen in unserem Haus treibt. Meine Tochter würde jetzt sagen: „Mama, träum’ weiter.“


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