Page 33

ProGusto 02-2017

Kolumne I LOVE FACHHANDEL Machen wir heute einmal ein Spiel: Was haben eine 3- Gramm-Schraube, ein Steakmesser und eine Teekanne gemeinsam? Sie wissen es nicht? Dann haben Sie kein Haushaltwarengeschäft in Ihrer Nähe, sonst würde Ihnen sofort der Name dieses Ladens als Antwort einfallen. Dort wo ich lebe, würde jeder diese Frage mit „Benz“ beantworten. So heißt das Haushalts- & Eisenwarengeschäft unseres Vertrauens im Ort und die Bevölkerung hat den Satz geprägt: „Der hat alles“. Egal was, wer, wann, weshalb und warum braucht – er geht dorthin und wird fündig. Vom Handwerker bis zur Hausfrau, vom Schulkind bis zum Hobbygärtner, vom Grillfan bis zum Weinliebhaber. Ich schwöre – ich habe diesen Laden noch nie verlassen, ohne das zu bekommen, was ich gesucht habe. Wenn es beim Kleider kaufen nur auch so einfach wäre! Was mich jedes Mal aufs Neue fasziniert, ist die Tatsache, dass man Schrauben einzeln kaufen kann und diese dann nach Gewicht berechnet werden. Manchmal mache ich das nur so zum Spaß, weil ich es so toll finde. „13 Gramm Schrauben, bitte!“ Wo gibt es denn so etwas noch? Oft fahre ich auch mehrmals am Tag zum Laden. Entweder weil ich die falschen Batterien gekauft habe, den Kartoffelschäler aus Versehen in den Müll geworfen habe oder weil ich noch schnell ein kleines Geschenk für das Nachbarskind brauche. Alles kein Problem! Sie wissen ja: Der Fachhandel hat alles. Während alle anderen Unternehmen ihre Dienstleistungen immer mehr an mich abgeben, ist der Kunde hier tatsächlich noch König. Bei der Lufthansa muss ich mich selbst einchecken, bei Ikea mich selbst abkassieren und bei der Post die Briefmarken selber malen. Wo bleibt denn da der Service-Gedanke? Beim Fachhandel erinnert mich die Inhaberin persönlich daran, dass ich die Gutschrift für meine Reparaturanzahlung noch nicht eingelöst habe. Ich wusste nicht einmal mehr, dass ich eine Reparaturanzahlung geleistet habe. Sie hören es vermutlich heraus: Ich bin ein großer Fan des stationären Handels und versuche ihn immer und überall zu unterstützen. Ich bin sicher, dass diese tiefe Verbundenheit auf meine Kindheit und Herrn Fischer und seinen Tante-Emma-Laden bei meinen Großeltern um die Ecke zurückgeht. Hier wurde der Grundstein für eine wunderbare Freundschaft zwischen mir als Kundin und dem Handel gelegt. Ausgerüstet mit einer 50-Pfennig-Münze, die mir mein Opa immer heimlich zusteckte, marschierte ich zu Herrn Fischer, um eine herrliche Auswahl an Süßigkeiten zu kaufen. Herr Fischer steckte meine Bestellung an Brausestäbchen, Kirschlollys und Gummi-Mäusen mit einer Engelsgeduld und fachmännischer Beratung in ein kleines Papiertütchen. Was für ein Schatz! Dieses wunderbare Einkaufserlebnis empfinde ich heute noch in ausgewählten Läden. Auch wenn der Kaufbon etwas höher und die Tüten etwas größer geworden sind. Was lernen wir daraus: Ohne den Fachhandel wäre die Welt ein armes Würstchen und ich völlig aufgeschmissen. von Yvonne Meininger VERBUNDENHEIT Auf eine Tasse „13 GRAMM SCHRAUBEN, BITTE!“ 33


ProGusto 02-2017
To see the actual publication please follow the link above