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ProGusto 02-2017

Das langweilige Image, das am Schrebergärtnern immer noch klebt, geht am modernen Laubenleben längst meilenweit vorbei! Denn seit Jahren findet in deutschen Kleingartenkolonien ein Generationswechsel statt: Junge Paare, Familien und Kreative jäten in ihrer Freizeit Beete, wenden den Kompost oder ernten Himbeeren. Hinter gestutzten Hecken verstecken sich viele verwunschene Oasen, in denen sogar „Wildwuchs“ perfekt inszeniert ist. Auch die soziale Zusammensetzung des früher einmal kleinbürgerlichen Milieus ändert sich: Nicht mehr vorwiegend Arbeiter und Handwerker, sondern vor allem Akademiker bewerben sich heute um die begehrten Lauben. In den traditionsreichen Kolonien hat sich dadurch ein spannender Mix aus verwurzelten Alt-Schrebern und hippen Jung- Gärtnern gebildet. Und diese Mischung macht’s! Wo sonst begegnen sich in ihrer Freizeit alte und junge Menschen mit völlig verschiedenen Lebensgeschichten so selbstverständlich? Über die Hecken und Zäune plaudern heute Lehrer, IT-Experten und Journalisten mit Bahnschaffnern, Sozialarbeitern oder pensionierten Krankenpflegern mit Migrationshintergrund. Und beileibe nicht alle haben sich ihren Garten nur der Kinder wegen zugelegt. Die Gründe sind vielfältig, wie die Beispiele auf den nächsten Seiten zeigen. Durchgestyltes Refugium Im Hamburger Kleingartenbauverein Birkenhain e.V. befindet sich ein urbanes Paradies mit Wasserblick – der Schrebergarten von Sonja und Christian. Die beiden haben aus einer langweiligen Parzelle in kurzer Zeit einen luftigen Sommergarten gezaubert. Dabei ging das Paar ganz gezielt vor: „Ich habe erst mal im Kopf auf ‚delete’ (= löschen) gedrückt und überlegt: Wie kann das alles hier am Ende aussehen? Dann habe ich einen Plan unseres Traumgartens gezeichnet. Das Haus sollte relativ mittig stehen, von oben gesehen umgeben von drei Eiern: eines davon die Terrasse und zwei die Rasenflächen. Dazwischen Blumen- und Gemüsebeete“, erzählt Christian. Sonja ergänzt: „Wir möchten einen fluffigen, zarten Garten, die Blätter und Blüten sollen sich sanft im Wind bewegen. Wenn ich im Sommer hier durchgehe, möchte ich, dass die Pflanzen sanft meine nackten Beine streifen, ohne dass es piekst. Der ganze Garten soll ein Dufterlebnis sein. Deshalb steht am Kompost auch eine wohlriechende Zitronenmelisse.“ Dank all dieser Planungen ist ein akribisch durchgestylter Garten herausgekommen, der trotzdem ein wunderbares Naturerlebnis bietet. 41


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