P&G - NEWSLETTER
16.04.2020 10:35:02

Offener Brief von Christina van Dorp

Die derzeitige Corona-Krise stellt uns alle vor enorme Herausforderungen. Kontaktverbote und Shut-Down machen Handel und Lieferanten der gesamten Konsumgüterbranche schwer zu schaffen.
Mit einem offenen Brief wendet sich nun die Präsidentin des Handelsverbandes Koch- und Tischkultur (GPK), Christina van Dorp, an alle Player der Branche. Im Folgenden finden Sie den Brief im Wortlaut.


Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Partner aus Industrie, Vertrieb, von der Messe, Vertreter der Medien und all jene, die sich mit unserer Branche verbunden fühlen,

mein Name ist Christina Barton-van Dorp. Ich bin seit 2017 Präsidentin des Handelsverbandes für Koch- und Tischkultur (GPK) und wende mich heute ganz persönlich an Sie.

Mit diesem Brief möchte ich vor allem Danke sagen!

Danke sagen Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen für Ihre Stand-haftigkeit, Ihr Feedback und Ihren Einsatz für unsere Branche. Danke sagen unseren Partnern aus der Industrie, den Handelsvertretern und -agenturen, den Einkaufsverbänden, allen voran EK/servicegroup für den vorausschauenden und partnerschaftlichen Umgang miteinander in diesen herausfordernden Zeiten. Das Valutieren von Rechnungen, die kostenlose Stornierung von (Teil-)Aufträgen, das alles ist nicht selbstverständlich. Geht es doch auch, wenngleich erst zeitlich nachgelagert, um Ihre Existenzen und Ihr Überleben. Den allermeisten ist dies sehr bewusst und das Wissen um die Abhängigkeiten in unserer Branche sind hinlänglich bekannt. Und dennoch gibt es einzelne Unternehmen, die dies (noch?!) nicht erkannt haben. Es sind die Krisen, in denen es sich zeigt, wer Freund und wer Feind ist, wer weitsichtig agiert und wer auf kurzfristige Erfolgsmeldungen angewiesen ist.

In den letzten Tagen erreichten uns viele Grüße, gute Wünsche und die vielfach geteilte Hoffnung, dass wir, der Handel, die aktuelle Lage gesund und unbeschadet überstehen. Das zeigt uns, dass wir eben nicht nur in guten Zeiten auf unsere Partner, Lieferanten und Freunde zählen können, sondern dass die allermeisten auch in schweren Zeiten zu uns stehen. Das sind Reaktionen, die guttun und Hoffnung machen.

Obwohl unsere Ladengeschäfte aktuell geschlossen sind, sind wir doch mit Fleiß, vollem persönlichen Einsatz und einem ausgeprägten Überlebenswillen dabei. Kreative Konzepte hinsichtlich Lieferung und Beratung entstehen, einige nutzen diese Zeit, ihren Online-Shop auf Vordermann zu bringen und ihre Social Media-Kanäle zu bespielen. Für viele hieß es, ins kalte Wasser der Digitalisierung zu springen und dort schwimmen zu lernen! Auch das ein Zeichen des ausgeprägten Überlebenswillens unserer „Kaste“.

Die Handelsverbände – HDE, Landes-, Regional-und Bundesfachverbände - leisten im Moment Großartiges. Sie stellen die Schützenhilfe, die wir jetzt brauchen! Es ist zum einen die politische Arbeit, die die Verbände von kommunaler bis auf Bundesebene für uns leisten und zum anderen das Engagement der Verbände und die Hilfestellungen bei ganz praktischen Problemstellungen. Diese reicht von der arbeitsrechtlichen Beratung bis hin zur Unterstützung bei Anträgen und dem Weiterleiten neuester Erlasse und relevanten Informationen in Form von Newslettern und Merkblättern. Hier sei der Zehn-Punkte-Plan der Handelsverbände für eine schrittweise diskriminierungsfreie Rückkehr des Handels zur Normalität nach Ende der Coronakrise exemplarisch genannt.

Bedauernswert ist das Vorgehen der Gewerkschaft, durch das wir, die Unternehmer, mitunter demoralisiert werden. Das Verhalten und die Forderungen der Gewerkschaften nach 100 Prozent Kurzarbeitergeld ist absurd: Die erzwungene Aufstockung zwingt uns zu Entlassungen und verzehrt unternehmerische Substanz. Es trifft genau jene unter uns, die tarifgebunden sind und sich damit freiwillig, zum Teil aus Überzeugung, dem Tarifvertrag unterworfen haben und Löhne wie Gehälter zahlen, die weit über dem Bundesdurchschnitt im deutschen Einzelhandel liegen. Es sind diejenigen Unternehmen, die tarifliche Sonderzahlung, sechs Wochen Urlaub, Zuschläge u.v.m. leisten. Die Sinnhaftigkeit und moralische Legitimation eines solchen Gebarens sind mir schier unbegreiflich, ich halte sie für verwerflich!

Hier appelliere ich an alle, die haupt- und ehrenamtlich mit Verdi verhandeln: Lassen Sie es nicht zu, dass wir als tariftreue Händler diskriminiert werden, manche von uns in die Insolvenz getrieben werden.

Wir hoffen, dass schon bald unsere Häuser wieder mit Leben gefüllt werden, um das zu tun, was uns am liebsten ist: unsere Kunden persönlich zu beraten! Ihnen Freude und Lust auf unsere wunderbaren Produkte zu machen, Gespräche zu führen, die hier und da auch schon mal über die reine Produktinformation hinausgehen, soziale Kontakte zu bieten und unseren Kunden eine gute, sorgenfreie Zeit in angenehmer Einkaufsatmosphäre zu gestalten. Dabei werden betriebswirtschaftliche Fragestellungen eine übergeordnete Stellung einnehmen müssen und die Tugenden des ehrbaren Kaufmanns frei nach Thomas Mann eine Renaissance erleben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin zuversichtlich, dass all jene, die dieses in Ihren Fokus setzen, die Kraft und den Willen haben, weiterzumachen, es schaffen werden!

Unsere Branche besteht seit Generationen und wir haben viele Krisen und Unvorstellbares erlebt und überstanden. Jedoch werden wir diese Krise nur mit der Unterstützung und Solidarität von Ihnen, liebe Lieferanten, Handelsvertreter und -agenturen und Partner bewältigen können.

Herzliche Grüße und bleiben Sie bitte gesund
Ihre
Christina Barton-van Dorp

Wilh. van Dorp KG, Bonn
Präsidentin
Handelsverband Koch- und Tischkultur (GPK)

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