Möbelmessen in Ostwestfalen 2022 - mit Bilderstrecke

Das waren die wichtigsten Themen auf M.O.W., Möbelmeile und Co.

Die Möbelmessen in Ostwestfalen – die M.O.W, die Möbelmeile sowie die vielen Hersteller in ihren Showrooms – können für die vergangenen Tage sicherlich mehrheitlich ein positives Fazit ziehen. Auch wenn die M.O.W. sehr gut gebucht war, wusste man zum Start nicht, wie die Messen laufen würden, man musste auf alles gefasst sein. Doch die Hersteller hatten sich bestens vorbereitet, präsentierten jede Menge Neuheiten und auch echte Innovationen. Händler und Verbände waren trotz der enormen Herausforderungen, die derzeit alle belasten, in Orderlaune. M.O.W.-Geschäftsführer Bernd Schäfermeier freute sich bereits am Messe-Dienstag über eine sehr gute Stimmung in den Hallen. Alle spürten, dass der persönliche Austausch zwischen Handel und Industrie gerade in diesen Zeiten enorm wichtig ist. Paul Rom, der mit seinem Unternehmen erstmals im Informa-Zentrum ausstellte, sagte, dass man in anspruchsvollen Zeiten die Dynamik hochhalten müsse. Das ist ganz bestimmt richtig. Wobei das im mittleren gehobenen Segment sicherlich leichter fiel als beispielsweise bei den Discountspezialisten, die am stärksten unter den steigenden Preisen leiden.
Im Folgenden nennt das „möbel kultur“-Team die Top-Themen im diesjährigen Messeherbst.

Hohe Internationalität: Wer hätte gedacht, dass sich die Möbelmessen rund um Bad Salzuflen, Rietberg und Co. immer mehr auch zu einer internationalen Drehscheibe entwickeln? Bei der M.O.W. kamen 60 Prozent der Aussteller aus dem Ausland. Vorn dabei: Polen, die Türkei, die Niederlande, Dänemark, Italien und Frankreich. Aber auch Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Serbien, Griechenland und die Ukraine (!) hielten die Fahne hoch. Insgesamt waren 41 Nationen in Bad Salzuflen vertreten. Dieser hohe Anteil führte vermehrt gleichfalls zu einem internationaleren Besuchermix, was in den Messehallen auch zu hören war. Ebenso in den Showrooms, u.a. bei Werther konnten verstärkt ausländische Gäste, z. B. auch aus Indien, begrüßt werden. Ein Grund hierfür war zweifellos, dass auch in diesem Jahr erneut keine „imm cologne“ stattgefunden hat.

Beschaffung gesichert: Da die Herausforderungen auf der Beschaffungsseite in den vergangenen Monaten exorbitant groß und auch die Bemühungen entsprechend umfangreich ausgefallen sind, konnten die meisten Hersteller inzwischen Entwarnung vermelden. Ausgebaute Lagerkapazitäten sowie neue Versorgungskanäle haben hier Stabilität gebracht. Allein Eiche unter den Massivhölzern für den Kastenmöbelbereich sowie Schäume bei den Polstermöbeln bereiten weiterhin Sorgen. Und auch bei den Preisen gibt es nicht wirklich Entspannung. Zumal die steigenden Energiekosten weitere Unsicherheiten mit sich bringen. Viele haben aus der Situation Konsequenzen gezogen und sich auf der Beschaffungsseite neu orientiert. Laut einer Umfrage des Verbands der Deutschen Polstermöbelindustrie (VdDP) wollen 60 Prozent der Hersteller stärker nationale oder zumindest europäische Beschaffungsmärkte nutzen. Doch nicht nur bei Polstermöbeln halten viele Ausschau nach neuen Möglichkeiten der Fertigung. So stellte MCA Furniture seine neue Linie „Arc“ vor mit Tischen und Stühlen, die in der Türkei produziert werden. Zwar räumte Geschäftsführer Benjamin Dobrott ein, dass an der Formensprache und an den Qualitäten noch gearbeitet werden müsse, doch grundsätzlich wurde die Initiative vom Handel gelobt. Wer sich bereits in der Vergangenheit um neue Märkte bemüht hat, wie z. B. Interlink mit eignem Werk in Brasilien, muss sich um das Thema Eiche keine Gedanken machen.

Die Eckpreislagen sind tot: Auf jeder Messe waren sie in der Vergangenheit ein Thema: knackige Eckpreislagen. Damit ist es nun vorbei. Die Industrie ist gezwungen, Kostensteigerungen an den Handel weiterzugeben. Da dies ein laufender Prozess ist, der auch im nächsten Jahr weiter anhalten wird, müssen sich die Verbraucher:innen zwangsläufig an andere Preisstellungen gewöhnen. Die Frage ist nur, wie weit diese dazu bereit sind angesichts kleinerer Haushaltsbudgets. Gleichwohl bleibt der Preis ein ganz heißes Thema. Zumal die Großflächenanbieter derzeit (noch) nichts an ihrer Rabattpolitik ändern. Eine Tendenz ist allerdings jetzt schon festzustellen: Die klassischen Einstiegspreislagen brechen bei den konventionellen Einrichtungshäusern weg, mit der Konsequenz, dass sich der Handel bei den Discountern bedient. Offenbar mit der Option, dass die Ware beim Kunden aufgebaut wird. Da die Konsument:innen die Vertriebskategorien der Branche ohnehin nicht immer entsprechend wahrnehmen, scheint das eine mögliche Option zu sein. Wie und wo der SB-Handel allerdings künftig seinen Preiseinstieg organisieren will, bleibt abzuwarten. Der Trend der Discounter geht ganz klar in Richtung Trading-up. „Wir werden Preislagen im SB-Bereich sehen, die es bisher so nicht gab“, prognostiziert Xonox-Geschäftsführer Jürgen Drake.

Vorteil Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit ist bereits seit mehreren Jahren ein Mega-Trend. Aufgrund der aktuellen Krisen und Preisexplosionen hat sich dieser Trend nun zu einem enormen ökonomischen Vorteil entwickelt. Merkmale wie „made in Germany“ oder „made in Europe“, regionale Rohstoffe, energiesparende Fertigungen, eigene Stromversorgung etc. sorgen bei den Unternehmen, die dies schon umgesetzt haben, jetzt für deutliche Kosteneinsparungen. So präsentierten die Hersteller ihre nachhaltigen Features als umfassende Unternehmensstrategie (z.B. bei Staud). Gleichzeitig erhöhten sie ihr Engagement in diesem Bereich weiter. Germania beispielsweise hat seine Verpackungen optimiert. Statt Styropor kommt nun Kartonage zum Einsatz. Dies erhöht die Qualität der Verpackungen und verringert damit die Reklamationen aufgrund von Transportschäden – angesichts der Logistikkosten ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt. Scapa wiederum hat sich mit dem „Nordic Swan“-Ecolabel zertifizieren lassen, hinter dem die Regierungen von Finnland, Norwegen, Schweden, Dänemark und Island stehen. Hartmann wartete wiederum mit einem eigenen Bio-Label auf. Einige Polstermöbelhersteller wie die 3C-Gruppe, Albert Ponsel und Signet wurden jüngst von der DGM als „Klimaneutraler Möbelhersteller“ zertifiziert.

Neue Farben: Trendmäßig darf es bei den Polstermöbeln farbenfroh und kuschelig sein. Angelehnt an die Mode sind zunehmend Grün- und Blautöne, Kupfer- oder Messingnuancen zu sehen. Aber auch knallige Farben wie Pink oder Lila setzen beispielsweise bei Ego Italiano Akzente. Für ein behagliches Gefühl im kühlen Winter bestimmen weiche, kuschelige Bezüge aus Bouclé, Teddy, Chenille oder Cord das Angebot. Ebenso im Trend liegen modulare Lösungen, die einer mobiler werdenden Gesellschaft auch bei Umzügen gute Dienste leisten, wie das Programm „Puzzle“ von Cottas Hochwert-Marke Designwerk. Aber auch Relaxfunktionen – gern mit motorischer, akkubetriebener Bedienoption, wie u.a. Ada Premium sie anbietet, werden immer mehr nachgefragt.

Neue Kolorits gibt es auch bei den Kastenmöbeln: „Bei unserer Marke Dutch Bone ist die Trendfarbe Schwarz“, betonte Frank Kossowski, Vertriebsleiter DACH bei Zuiver. Daneben gesellen sich Anthrazit, Grau, Grünabstufungen und ein cremiges Weiß. Um eine günstigere und besser verfügbare Alternative zu Eiche anbieten zu können, tritt Esche in den Vordergrund. RMW setzte zudem auf Kristallbuche. Ebenfalls überall zu sehen war eine Lamellenoptik in den Fronten. Und um die Verbraucher:innen rundum bedienen zu können, haben viele Hersteller ihre Programme für alle Wohnbereiche kompatibel gemacht: Von der Diele über den Speisebereich bis hin zum Wohnzimmer können die Kollektionen in allen Wohnbereichen eingesetzt werden.

Noch mehr Details zu den Herbstmessen lesen Sie in unserer Oktober-Ausgabe.

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