Lieferketten im Stress - Interview IV

Florian Berger: "Die chinesische Produktion wird zunehmend unattraktiver"

Die Auswirkungen der Pandemie haben die Lieferketten gesprengt. Die Konsumgüterbranche ist mit einem hohen Import-Anteil und großen Order-Volumina davon besonders getroffen. Dass es sich dabei nur um eine Momentaufnahme handelt, glaubt keiner der Top-Unternehmer, die wir um ihre Einschätzung für 2022 gebeten haben. Im vierten Interview der siebenteiligen Serie erzählt Florian Berger, Inhaber von Donkey Products, dass das Sourcing viel mehr Geld, Zeit und Kraft kostet als in den Jahren zuvor.

P&G: Herr Berger, was ist im Sourcing aktuell die größte Herausforderung?

Florian Berger: Die Fabriken kämpfen mit verordneten Schließungen aufgrund der aktuellen Umweltpolitik der chinesischen Regierung, die den Produktionsprozess verlangsamen und somit zu Verzögerungen führen. Umwelt- und nachhaltigkeitstechnisch ist dies ein Schritt in die richtige Richung, allerdings werden diese Schließungen meist extrem kurzfristig veranlasst und sind damit unplanbar. Sobald die Ware fertig produziert ist, ist es extrem schwierig einen Schiffsplatz zu bekommen, immer noch fehlt Equipment und Schiffsverzögerungen sind an der Tagesordnung. Kommt die Ware dann in Europa an, verlängern die Wartezeiten der Schiffe vor den Nordwest-Häfen wie Antwerpen, Rotterdam und Hamburg die Lieferung. Somit müssen wir mit Verzögerungen von bis zu 30 Tagen und mehr rechnen. Eine Planungssicherheit für Liefertermine ist somit nicht mehr wie früher gegeben, wodurch sich auch Umsatzprognosen immer wieder relativieren. Ein Ausweichen auf europäische Produktionen ist aufgrund der hohen Mindestmengen für Sonderproduktion nur bedingt möglich. Und generell sind die Preislagen in Europa höher als in Asien. Die ausbleibenden, aber nötigen Erhöhungen der UVP-Preisobergrenzen sowie ausgebuchte Kapazitäten der Fabriken bis Mitte/Ende 2022 gestalten unser Geschäft weitherhin schwierig.

P&G: Wie hoch sind die Containerkosten? Und wann rechnen Sie mit einer Beruhigung?

Florian Berger: Für einen 20‘-Container zahlen wir zwischen 7.500 und 11.000 US-Dollar und für einen 40’-Container zwischen 14.000 bis 20.000 US-Dollar. Zum Vergleich: Im Oktober 2020 lagen die Preise bei 1.100 US-Dollar für einen 20‘-Container und für 2.100 US-Dollar für einen 40‘-Container. Wir steuern auf das Chinessche Neujahrsfest zu, vor dem erfahrungsgemäß mit weiteren Steigerungen zu rechnen ist. Eine leichte Erholung der Raten erwaren wir frühestens Mitte des Jahres 2022.

P&G: Wie stark sind die Einkaufspreise gestiegen?

Florian Berger: Je nach Artikel liegen wir in einem Rahmen von 10 bis zu 40 Prozent. Es gestaltet sich sehr unterschiedlich. Gerade in Europa, wo wir aktuell Glas und Papierartikel produzieren, schlägt sich die erhöhte Nachfrage drastisch auf die Preise durch.

P&G: Welche Artikel sind besonders problematisch?

Florian Berger: Alles, was auf Holzbasis produziert wird, also bei uns Holzspielzeuge und Verpackungen/Papier, sind besonders von Preiserhöhungen betroffen. Auch Edelstahl ist ein Rohstoff, der extrem von Preiserhöhungen betroffen ist.

P&G: Lässt sich aktuell überhaupt solide sourcen?

Florian Berger: Es gestaltet sich auf jeden Fall schwieriger als in den letzten Jahren. Durch die Frachtraten und Verzögerungen wird die chinesische Produktion zunehmend unattraktiver und die europäischen Hersteller sind auf Monate ausgebucht. Jede Anfrage braucht viel länger als gewöhnlich und man bekommt sehr viele Absagen wegen genereller Kapazitätsauslastungen.

P&G: Möchten Sie in Zukunft in anderen Regionen einkaufen?

Florian Berger: Wir produzieren schon seit mehreren Jahren einen Teil unseres Sortiments in Europa und werden die Zusammenarbeit mit diesen Herstellern intensivieren und auch weitere europäische Hersteller sourcen.

P&G: Was sagen die Handelspartner zu der Situation? Stellen die Händler Sortimente um?

Florian Berger:Die Nachfrage nach nachhaltig produzierten Produkten ist gegeben, aber noch wissen wir nicht ob der Endverbraucher auch gewillt ist die erhöhten Verkaufs-Preise zu zahlen. Schließlich handelt es sich in unserer Branche um emotionale, impulsgetriebene Produkte. Neben den mangelnden Kapazitäten in Europa fehlt auch oft das Know-How, Personal und Maschinen, um Produkte auf dem Niveau der chinesischen Manufakturen herzustellen.

P&G: Wie lautet Ihre Prognose für 2022 bezogen auf Ihre Geschäftsaktivitäten?

Florian Berger:Wir bleiben positiv. Wir glauben an die Kraft der Kreativität und der ungewöhnlichen Produkte. Mainstream können andere besser, wir konzentrieren uns auf das Story-Telling.

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